Overtourism (Übertourismus) bezeichnet den Zustand, in dem ein Reiseziel mehr Besucher anzieht, als es ökologisch, sozial und infrastrukturell verträglich aufnehmen kann – mit negativen Folgen für Einwohner, Umwelt und letztendlich auch das Reiseerlebnis selbst.
Welche Orte sind besonders betroffen?
Das Phänomen betrifft inzwischen Dutzende Reiseziele weltweit. In Europa steht Venedig exemplarisch für den Extremfall: Die Stadt empfängt jährlich über 30 Millionen Touristen – viele davon Tagestouristen von Kreuzfahrtschiffen, die kaum wirtschaftlichen Nutzen bringen, aber erhebliche Belastungen verursachen. Ähnliche Probleme haben Dubrovnik (Kroatien), Hallstatt in Österreich, Santorin in Griechenland, Machu Picchu in Peru und Amsterdam. In Deutschland trifft es zunehmend Sylt, die Zugspitze und den Königssee in Bayern.
Ursachen und Folgen
Hauptursachen sind günstigere Flüge durch Low-Cost-Carrier, die Verbreitung von Kurzzeitvermietungsplattformen (die Wohnraum in touristische Unterkünfte umwandeln), Social-Media-Effekte (ein virales Foto macht einen unbekannten Ort über Nacht zum Hotspot) und der weltweite Anstieg des Tourismus allgemein. Die Folgen sind vielschichtig: steigende Mieten und Lebenshaltungskosten für Einwohner, Verdrängung aus gewachsenen Stadtvierteln, Überlastung von Infrastruktur, Umweltschäden an empfindlichen Ökosystemen und der Verlust der Authentizität, die Touristen ursprünglich angezogen hat. Am Ende leidet auch das Reiseerlebnis selbst – überfüllte Sehenswürdigkeiten, überteuerte Restaurants und gestresste Einwohner sind das Resultat.
Was können Reisende tun?
Bewusstes Reisen macht einen echten Unterschied: In der Nebensaison reisen statt in der Hochsaison, in lokalen Pensionen übernachten statt in großen Kettenhotels, in Restaurants abseits der Touristenzonen essen, weniger bekannte Alternativziele in der Umgebung besuchen. Slow Travel – längeres Verweilen an einem Ort statt vieler Kurzstopps – trägt mehr zur lokalen Wirtschaft bei und belastet die Infrastruktur weniger. Einige Städte wie Venedig und Dubrovnik haben Einlassbeschränkungen oder Touristensteuern eingeführt – ein Zeichen, dass Selbstregulierung durch Reisende allein nicht ausreicht.
💡 Tipp: Die schöneren Alternativen
Statt Dubrovnik → Korčula oder Kotor (Montenegro). Statt Santorin → Milos oder Naxos. Statt Hallstatt → Obertraun oder Bad Aussee. Statt Machu Picchu allein → Kombination mit weniger bekannten Choquequirao. Die Alternativen sind oft günstiger, ruhiger und mindestens genauso beeindruckend.